Sie sind hier

Wie schreibe ich einen Leserbrief zur «Altersvorsorge 2020»?

18. Juli 2017

Dieser Blogbeitrag zeigt Ihnen, wie Sie in 8 einfachen Schritten Ihre Meinung zur «Altersvorsorge 2020» via Leserbrief verkünden können.

Was ist ein Leserbrief?

Ein Leserbrief ist grundsätzlich eine schriftliche Antwort auf einen veröffentlichten Beitrag einer Zeitung, einer Zeitschrift oder sogar eines bereits veröffentlichten Leserbriefs. Er gibt Privatpersonen die Möglichkeit, Ihre Meinung in der Medienöffentlichkeit einzubringen. Gerade bei sozialpolitisch relevanten und komplexen Themen, wie etwa der Reform der Altersvorsorge, sind die Meinungen und Standpunkte zahlreich und ein einzelner Zeitungsartikel bildet diese selten alle gleichmässig ab. Entsprechend gewinnt die Debatte an Tiefe, wenn im Anschluss an einen Artikel Leserbriefe publiziert werden, die zum Geschriebenen Stellung beziehen und zusätzliche beziehungsweise andersartige Positionen und Argumente aufzeigen.

Sind Leserbriefe in Zeiten von Social Media überhaupt noch wirksam?

Seit es Social Media und Blogs gibt, sind die Medien nicht mehr die alleinigen Hersteller von Öffentlichkeit. Jeder hat heute die Möglichkeit seine Meinung ins Internet zu stellen und somit öffentlich zugänglich zu machen. Man kann sich Fragen, ob der Leserbrief überhaupt noch zeitgemäss und wirksam ist? Die Antwort lautet ja. Denn zum Einen haben die etablierten Medienhäuser in der Schweiz nach wie vor viel höhere Leserzahlen als Blogs, Facebook-Seiten oder Twitter-Profile. Entsprechend erreicht man mit einem Leserbrief ein viel grösseres Publikum als mit einem Blogbeitrag, einem Facebook-Post oder einem Tweet. Andererseits gehört politische Meinungsbildung in Blogs und sozialen Netzwerken für breite Teile der Bevölkerung noch nicht zum Alltag und man muss sich nach wie vor der klassischen Medien bedienen, um sie zu erreichen. 

Was gilt es im Allgemeinen beim Verfassen eines Leserbriefes zu beachten?

Das Wichtigste vorneweg: Schreiben Sie zu Beginn Ihres Leserbriefes deutlich, auf welchen Artikel Sie sich jeweils beziehen. Das hilft den Lesern Ihres Briefes, sich schnell zurecht zu finden. Nachher müssen Sie klarstellen, welche Rolle Sie im Bezug auf die «Altersvorsorge 2020» selbst einnehmen. Beim Verfassen des Leserbriefes geht es auch später darum, Ihre eigenen Argumente logisch und sachlich zu formulieren. Das erhöht das Verständnis Ihres Leserbriefes und erhöht zudem auch die Chance, von den Zeitungen oder Zeitschriften angenommen zu werden. Unterstützen Sie Ihre eigenen Argumente mit nachvollziehbaren Beispielen oder illustrierenden Metaphern. 

Möglicher Aufbau des Leserbriefs

  • Die Anrede: Falls der Autor des veröffentlichten Artikels ersichtlich ist, erwähnen Sie diesen. Sonst nennen Sie die Redaktion.

 

  • Die Bezugnahme: Zu welchem Artikel, mit Titel und Datum, möchten Sie Ihre Meinung äussern?

 

  • Ihr eigener Standpunkt: Jetzt bilden Sie das Fundament Ihres Leserbriefs, indem Sie Ihren eigenen Standpunkt klar ersichtlich machen und aufzeigen, inwiefern die «Altersvorsorge 2020» Sie betrifft.

 

  • Das erste Argument: Unterstützen Sie nun Ihr Fundament mit einem ersten Argument. Dieses kann ihre Zustimmung zur Reform im allgemeinen zum Ausdruck bringen (Bsp.: Der Reformbedarf ist unbestritten: Eine sinkende Erwerbsquote, weil immer mehr Babyboomer aus den 50er- und 60er-Jahren ins Pensionsalter kommen, die steigende Lebenserwartung und tiefe Zinsen führen sowohl bei AHV wie beruflicher Vorsorge immer mehr zu einer finanziellen Schieflage. Nach 20 Jahren Reformstau ist es höchste Zeit, zu handeln. Aufgrund dieser Schieflage geht es nicht mehr um den Ausbau, sondern allein um die finanzielle Sicherung unseres gut austarierten Systems der Altersvorsorge. …) oder aber auch die Argumentation des Zeitungs- oder Zeitschriftenartikels entkräften, beziehungsweise relativieren. Zum Beispiel können Sie mit einer guten Argumentation die Kritik  an einzelnen Reformpunkten, wie etwa der Erhöhung der AHV Beiträge um 70 Franken bei Neurentnern, relativieren (Bsp.: Im Artikel XY wurde argumentiert, durch den 70-Franken-Zustupf, der nur an Neurentner gehe, würde eine Zwei-Klassen-AHV entstehen. Dabei haben die bereits Pensionierten keinerlei Rentenkürzungen zu gewärtigen, und sie konnten ihr Altersguthaben zu weitaus besseren Bedingungen aufbauen, als es die jetzigen Jungen können. Zwei-Klassen-AHV? Es wäre dringend zu klären, wer da eigentlich in der ersten Klasse sitzt. . …).

 

  • Das zweite Argument: Hier gehen Sie im Grunde gleich vor wie beim ersten Argument. Zusätzlich soll noch ein Beispiel aus Ihrer eigenen Erfahrung dazu beitragen, dass das Argument an Tiefe gewinnt und nachvollziehbar wird. Sie können sich auch hier wieder auf Reformpunkt beziehen, die stark diskutiert werden. 

 

  • Der Schlussteil: Fassen Sie Ihre wichtigsten Aussagen, die Ihren Beschluss, «JA» zu stimmen begründen, kurz und knapp zusammen. Schlussfolgern Sie zusätzlich, welche Konsequenzen wir oder Nahestehende bei einer Ablehnung der «Altersvorsorge 2020» zu tragen hätten (Bsp.: …Deswegen stimme ich «JA» für die «Altersvorsorge 2020» – einen typisch schweizerischen Kompromiss, der mehrheitsfähig ist. Wer meint, nach einer Ablehnung am 24. September rasch etwas Besseres aus dem Hut zaubern zu können, sei dies durch eine Aufspaltung in Teilreformen oder durch ein revidiertes Gesamtpaket, verkennt meines Erachtens die politischen Realitäten. Da habe ich lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach – lieber den Kompromiss als den Scherbenhaufen.

 

  • Schicken Sie Ihren Leserbrief an die betroffene Zeitung oder Zeitschrift. Zum Beispiel an den Blick oder an die NZZ.

 

  • Wichtig: Die jeweiligen Zeitungen haben selbst auch Vorschriften für das Erstellen von Leserbriefen. Lesen Sie diese sorgfältig durch. 

    Möchten Sie noch mehr tun? Diskutieren Sie auf Twitter mit, teilen Sie einen Facebook Beitrag oder teilen Sie eines unserer Videos!

Neuen Kommentar schreiben